Hundert Jahre Hessischer Skiverband

Die Nutzung von zwei Brettern als Transportmittel im Schnee hat  - insbesondere in den skandinavischen Ländern -  eine lange Tradition. Aber erst seit dem  20.Jahrhundert wurde der „Schneeschuhlauf“ in Norwegen auch als Sport betrieben, obwohl der vielseitige „Sportpädagoge“ Johann Christoph GutsMuths in Deutschland schon im 19.Jahrhundert Erfahrungen mit dem „Schneelaufen“ gesammelt hatte. Die darauf beruhenden Ausführungen von GutsMuths in der zweiten Auflage seiner „Gymnastik für die Jugend“ aus dem Jahr 1804 sind jedenfalls die älteste deutschsprachige Anleitung zum Skilaufen.

Fridtjof Nansen (Norwegen) trug dann mit seinem 1891 erschienenen Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ sowie mit der Beschreibung seiner Polarfahrt (1893 bis 1896) maßgeblich zur mitteleuropäischen Begeisterung für den „Schneeschuhlauf“ bei. Die dafür erforderlichen Skier wurden zunächst aus Norwegen eingeführt, danach aber  - z. B. in Deutschland -  zunehmend auch von einheimischen Handwerkern „nachgebaut“. Skilauf bedeutete allerdings in seiner Anfangszeit zumeist „Ski-Langlauf“, weil die alpine Variante noch erprobt werden musste.

Der erste Skiverein in Deutschland wurde bereits 1890 in München gegründet. 1892 folgten der SC Todtnau und der WSV Braunlage. 1895 vereinigte sich der SC Todtnau mit dem SC Freiburg zum Ski-Club Schwarzwald, aus dem der heutige Skiverband Schwarzwald hervor- gegangen ist. Ein in Frankfurt entstandener Skiverein wurde zunächst als „Sektion Frankfurt“ des Skiclubs Schwarzwald geführt und löste sich erst 1905 als Ski Club Taunus aus dieser Bindung. In  Kassel wurde 1908 der WSV Kassel-Wilhelmshöhe gegründet. In der Rhön entstanden 1909 der WSV Gersfeld und 1911 der Skiclub Rhön Fulda.

Auf einen zunächst lokalen Zusammenschluss der Frankfurter Skivereine im Herbst 1911 folgte am 11. Mai 1912 die Gründung des Verbands Mitteldeutscher Skivereine (VMS). Erster Vorsitzender war Professor Wünneberger (Frankfurt), dessen Nachfolger 1921 „Direktor“ Kempff (Frankfurt) wurde. Für die Zuordnung zu den einzelnen Landesskiverbänden waren zu dieser Zeit die jeweiligen „Gebirge“ und nicht die politischen Grenzen der Länder maßgebend.

Noch im Jahr 1912 trat der VMS auch dem bereits 1905 gegründeten Deutschen Skiverband (DSV) bei. Der VMS gehörte aber zu den kleineren Verbänden, wie aus den Mitgliederstatistiken des DSV hervorgeht. So lag der Verband im Jahr 1926 vor dem noch kleineren Skiverband Eifel mit 1.480 Mitgliedern und 262 Jugendlichen an vorletzter Stelle. Die Statistik wurde vom Schwäbischen Schneelaufbund mit 8.770 Mitgliedern und 2.000 Jugendlichen angeführt. Ab 1933 verlor der jetzt als „Gau XII/XIII im Fachamt Skilauf“ bezeichnete Verband Oberfranken und die bayerische Rhön, bekam aber  die Rheinpfalz und das Saarland dazu.

Bereits 1905 hatte der SC Taunus erste internationale Skirennen im Taunus organisiert. Ab 1913 wurden diese Wettkämpfe von dem neu gegründeten Verband Mitteldeutscher Skivereine abwechselnd im Taunus und in der Rhön ausgetragen. Damen auf Skiern waren im Taunus zwar schon ab 1905 zu sehen; sie traten jedoch erst ab 1922 bei Wettkämpfen an. Der erste Tourismusboom ab 1925 führte dann in Verbindung mit dem aufkommenden Seilbahnbau zu einer immer stärkeren Betonung des alpinen Skilaufs.

Nach 1945 fanden sich die Skiläufer Hessens zunächst nur langsam und zögernd wieder zusammen, zumal kaum noch die erforderliche Ausrüstung vorhanden war. Im Frühjahr 1946 wurde aber in Frankfurt bereits die „Arbeitsgemeinschaft Hessischer Skivereine“ gegründet, welche noch im gleichen Jahr den Namen „Hessischer Skiverband“ annehmen durfte. Eugen Schwarz wurde 1.Vorsitzender und leitete die Verbandsgeschäfte bis 1957. Sein Nachfolger war Alexander Vogel, den dann 1967 Harry Gaydoul ablöste.

Hessische Skiläufer kamen in den Nachkriegsjahren immer wieder zu Erfolgen bei den verschiedenen Wettbewerben. Dabei stand als alpiner Skisportler lange Zeit Pepi Erben vom SC Taunus im Vordergrund, der auch an den Olympischen Spielen 1952 teilgenommen hatte. Im nordischen Skisport waren Helmut Böck (Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1952 und 1956) sowie Sepp Schiffner (SC Taunus) besonders erfolgreich. Bei den deutschen nordischen Skimeisterschaften 1959 belegte die hessische Staffel mit den Läufern Böck, Schiffner, Weikert und Gutermuth zum Beispiel den vierten Platz.

Unter Präsident Harry Gaydoul begann am 1.Mai 1974 im Hessischen Skiverband die „Ära Schinze“ (Cheftrainer des Verbands) mit mehr als 50 Meisterschaftstiteln. Karin Jäger sowie Jochen Behle entwickelten sich zu Markenzeichen für den hessischen Skisport. Dazu kam neben allen anderen bekannten Leistungsträgern Dirk Kramer in der Nordischen Kombination. Die seit 1948 veranstalteten Skifahrten zu Wintersportorten wurden systematisch ausgebaut. Hier ging es nicht um Erholungs- oder Vergnügungsreisen, sondern im Interesse der hessischen Vereine um die Vermittlung der erforderlichen Skilauf-Fähigkeiten.

Ab 1989 leitete Dr. Otmar Spies den Hessischen Skiverband als Präsident und machte ihn zu einem der erfolgreichsten Verbände in Hessen. Spies arbeitete in vielen unterschiedlichen Gremien mit und hatte maßgeblichen Anteil an positiven Veränderungen der deutschen Sportlandschaft und der Förderstrukturen des Leistungssports. Mitte der neunziger Jahre stellte sich mit unzähligen Medaillen bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und Deutschen Meisterschaften auch der sportliche Erfolg für den Hessischen Skiverband ein.

Nach dem Ausscheiden von Spies im Jahr 2009 dauerte es dann einige Zeit, bis mit Dr. Werner Weigelt 2010 ein neuer Präsident gefunden werden konnte, der den Hessischen Skiverband jetzt in sein neues Jahrhundert führt.

 

Peter Schermer

Landessportbund Hessen
Arbeitskreis "Sport und Geschichte"

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